Oskar, der Krimi-Hund

Oskar, der Krimi-Hund

Eingetragen bei: Allgemein | 1
In den sozialen Netzwerken teilen!
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on Pinterest

Nein, es war nicht Liebe auf den ersten Blick, zwischen dem wild auf- und abspringenden Hund und mir. Ich hätte nicht einmal sagen können, dass er mir auch nur annähernd gefiel. Zum damaligen Zeitpunkt mochte ich langfellige Hunde viel lieber. Die zudem ein tüchtiges Stück kleiner waren als dieser Labrador, der als Fundhund im Tierheim saß. Außerdem war er mir entschieden zu ungestüm.

Zu laut, zu heftig und viel zu ungestüm

Oskar mit KatzenAber wer fragt danach, wenn die allerwichtigste Bedingung – verträglich mit Kindern und Katzen – erfüllt wird? Genau das hatte Oskar im Angebot. Meine Kinder waren begeistert, als wir ihn im Tierheim zum ersten Mal trafen und ich ‚vergaß‘ meine Vorbehalte.

Ein paar Tage darauf hatte ich ein wild pupsendes, dauerdurchfallgeplagtes Hundwesen im Haus, das der Katze hinterher jagte und die Kinder mit seinem Ungestüm umwarf. Am Abend saß mein Mann mit Oskar im Arbeitszimmer und ich mit der völlig entsetzten Katze im Wohnzimmer. Also nee, so hatten wir uns das nicht vorgestellt.
Gut, das mit dem Durchfall und der Pupserei hatte sich nach ein paar Tagen erledigt und noch etwas später geschah es sogar, dass Hund und Katz einträchtig nebeneinander saßen. Dennoch, ich wurde nicht so recht warm mit Oskar. Der war nämlich total unerzogen, zerrte an der Leine, sobald er dran hing. Es war schwer, ihn zu halten. Aber es war noch viel peinlicher, wenn ich ihn laufen ließ und er alle Leute ansprang. Manches Omchen hatte einen schweren Stand, wenn der Riesenköter angerannt kam – und ich laut schreiend hinterherhechelte. Nee, eine Freude war das nicht. Spazierengehen mit Oskar kam einem Spießrutenlauf gleich.

Dunkle Gedanken

Oskar unheimlichTja, das alles zusammen ließ mich beständig an eine Klausel aus dem Übernahmevertrag des Tierheimes denken: Sollte sich der ursprüngliche Besitzer melden, müssten wir Oskar zurückgeben. Ein ganzes halbes Jahr lang. Insgeheim begann ich zu hoffen, dass dieser Fall eintreten würde.
Muss ich betonen, dass es meiner Familie ganz anders ging? Ich hoffte also stumm und nur für mich. Mehr als drei Monate lang.

Dann kam Weihnachten. Mein Mann hatte Urlaub und übernahm die Hundepflichten. Jetzt war er es, der das Gezerre aushalten musste, der sich entschuldigen musste, wenn Oskar mal wieder jemanden angesprungen hatte.
Und ich konnte mich erholen.
Schließlich war auch mein Mann davon überzeugt, dass es so nicht weitergehen könne, und wir meldeten uns bei einer Hundeschule an.
Danach wurde es zumindest soviel besser – dass ich mit meinen Lieben hoffen konnte, dass Oskar bei uns bleiben würde.
Wir jubelten gemeinsam, als das halbe Jahr endlich rum war.

Die richtige Hundeschule – und schon gings aufwärts

Oskar jungOskar war noch immer in seiner Zerr-Phase, als ich ein Schlüsselerlebnis hatte: Beim Gassigehen begegnete uns eine Frau mit zwei Golden Retrievern. Mir rutschte das Herz in die Hose, die beiden waren nicht angeleint. Oskar hatte sie noch nicht gesehen. Schnell wenigstens ihn an die Leine – und los.
Ich rechnete mit allem – und mit noch viel mehr, als ich sah, dass es nicht zwei Hunde waren, an denen wir gleich vorbei mussten, sondern drei, nein, vier, fünf, sechs. Die Frau war mit sechs nicht angeleinten Hunden unterwegs! Mir wurde schlecht.
Aber was staunte ich, als sie einfach beiseite trat, ihre Hunde um sich rief und die sich brav hinsetzten. Die machten echt keinen Mucks, während ich meinen wie wahnsinnig zerrenden Oskar an ihnen vorbei bugsierte. Ich war zutiefst beeindruckt und fragte: „Was machen Sie richtig, was ich falsch mache?“
Sie rief mir nach: „Ich bin Hundetrainerin, wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen das.“
Wir wechselten die Hundeschule sofort und Oskar kam zu einer Trainerin, die seine Sprache konnte. Sprich: Sie wandte Kasernenhofton an.
Oskar war tief beeindruckt. Und völlig begeistert. Bei ihr machte er alles, was er sollte. Und er liebte sie für ihre in unseren Augen doch etwas rabiate Art.
Fakt war und blieb aber: Binnen einer einzigen Stunde lernte unser Hund, was er in zwanzig Hundestunden zuvor nicht gelernt hatte: Nicht mehr an der Leine zu ziehen.

Ein Hund mit ganz besonderen Hobbies

Oskar schmutzigIch will nichts beschönigen, Oskar wurde zeitlebens kein Hund, der aufs Wort gehorchte. Dafür hätten wir ständig und viel härter durchgreifen müssen, als uns – und dem Tierschutz lieb war. Aber er wurde gesellschaftsfähig.
Dafür sprang er in alles, was auch nur annähernd feucht war: Bäche, Flüsse, Seen, aber auch Pfützen und Lachen. Güllelachen, Schlammpfützen.
Wir bauten seine Vorlieben in unser Gassi-Repertoir ein. „Wo bist du heute mit Oskar gewesen?“
„Ach, nicht so weit, nur bis zur großen Pfütze. Aber ich hatte keine Lust, ihn schon wieder zu schrubben, also bin ich vorher umgekehrt.“
Es gibt sicher keinen Hund, der öfter gewaschen werden musste als unser Dicker. Täglich. Oft mehrmals. Oskar war irgendwie dauernass. Wenn wir mit dem Auto unterwegs waren, dann nur mit einem dicken Stapel Handtücher. Die nach Gebrauch meist schauderhaft aussahen. Dafür war dann der Hund einigermaßen wiederhergestellt. Aber wehe, wir hatten mal die Handtücher vergessen!
Ich entsinne mich an verschiedene verzweifelte Suchen nach einem Bach, weil sich Oskar in einer hübschen Güllelache gewälzt hatte. Oder in einem Schlammloch. Oder er war in einen algenverseuchten Tümpel gesprungen und ganz grün. Himmel!
Eine Freundin sagte einmal, sie würde Labradore nicht mögen, das seien Fress- und Sexmaschinen. Gut, das mit dem Sex war bei uns nicht so richtig ein Thema, da hatte der Tierarzt vorgesorgt. Das mit dem Fressen konnten wir allerdings unterschreiben: Nichts war vor Oskar sicher. Nicht der Kuchen auf dem Tisch, nicht die Semmel in der Hand des Kleinkindes, das an uns vorüber ging.

Es gab auch noch eine andere Seite

Oskar im KörbchenAber er liebte. Uns. Mit einer Innigkeit, die uns alle berührte, für ihn einnahm. Mit Haut und Haar. Seufzte einer von uns, legte er uns seinen dicken Schädel aufs Knie und seufzte mit. Er drückte sich an uns, wenn wir weinten. Er leckte uns die Hände, wenn wir die rangen. Er sang uns ein Lied, wenn die Trübsal über uns zusammenschlug. Und wir verfielen ihm, seinem großen Gemüt, seiner weiten Seele. Seiner Liebe, seiner Treue.
Ja, er war wild. Und ja, er war ungestüm. Als Mensch wäre er mit Sicherheit ein nicht zu bändigender Rugby-Spieler gewesen. Er liebte Bälle und Frisbees, er liebte es, sie aus der Luft zu fangen, sich anschließend damit zu überschlagen, um dann völlig verdreckt, aber siegreich und stolz aus diesem Kampf hervorzugehen. Aber er war auch zart und vorsichtig. Kleine Kinder waren absolut sicher bei ihm. Sie durften ihn am Schwanz und an den Ohren ziehen, in sein Maul fassen und sich zwischen seine Beine legen. Lediglich sein begeistert peitschender Schwanz stellte diesbezüglich eine Einschränkung dar.

Oskar hilfreichUnser Küchenboden war immer krümelfrei. Und als unser Sohn sich daran machte, die Tücken des Dosenöffners an Ravioli-Dosen zu erforschen, stand ihm Oskar hilfreich zur Seite, um die Soßenkleckse auf dem Fußboden und an den Küchenmöbeln zu beseitigen.
Als unser Haus immer katzenreicher wurde, entwickelte er sich zum Katzenversteher, teilte seinen Schlafplatz und machte mit ihnen gemeinsame Sache, wenn es daran ging, den Korb mit dem alten Brot zu räubern.
Er liebte Obst. Beeren am allermeisten. Ich werde das Bild nie vergessen, wie er mit gespitzten Lippen die Brombeeren von den Stachelästen pflückte und mit Genuss verspeiste.
Und ich werde auch nie die Fahrt zum Tierarzt vergessen, nachdem er sämtliche Schokoanhänger vom Weihnachtsbaum stibitzt und gefressen hatte. Natürlich samt Verpackung.

Zehn Jahre Liebe

Oskar schlafendOskar war zehn Jahre lang fester Bestandteil unseres Lebens, ein vollwertiges Familienmitglied. Das dafür sorgte, dass nur seeeehr wenige Lebensmittel weggeschmissen werden mussten. Das immer ein offenes Ohr für uns hatte, zwei wache Augen und eine große Seele.
Sein Tod konnte daran nichts ändern. Er wird immer Teil von uns sein. Und in Kirschblau weiter leben. Für immerdar.

Eine Antwort

  1. Anrührend, diese bedingungslose Hundeliebe. Schön, dass dieser Hund in der Krimireihe weiterleben wird.

Hinterlasse einen Kommentar